vom Gleichgewicht

Es regnet noch immer. Der Weg zum Toilettenhäuschen auf der Weide ist nass und matschig. Die Töchter der Köchin bringen uns das Frühstück mit einem Lächeln in die Jurten, bis an den Schlafsack. Als es langsam aufklart opfern wir an den Ovoos zum Dank für die nächtlichen Rituale, die jedoch noch nicht beendet sind. In der Zeremonienjurte tränkt Bayaraa ein blaues Gebetstuch mit Wodka und legt es mir in die Hände. Ich möge nun schnell meinen Körper in der Schlafjurte damit von oben bis unten sorgfältig abstreichen und frische Kleidung anlegen.  Anschließend werde ich rundherum geräuchert und darf wieder in die Zeremonienjurte eintreten.  

All der Wodka, den wir in UlaanBaatar zu Beginn gekauft hatten, wird keinesfalls getrunken. Er wird bei Opfer- , Schutz- und Reinigungsritualen verspuckt, versprüht und vergossen.

In meine neue Trommel werden nun sechs Gebetsfahnen in den Farben Schwarz für den schwarzen Himmel, Blau für den blauen ewigen Himmel, Gelb für die Sonne oder das Feuer, Rot für das Windpferd oder die Energie, Weiß für die Luft oder den Äther und Grün für Mutter Erde geknotet. Der Trommelschlegel aus dem Holz eines Baumes in den ein Blitz eingeschlagen hatte und der dadurch von den Geistern belebt wurde, wird mit einem Stück vom Fell des Rehbockes beklebt und ein schwarzes Tuch angeknotet.

Die Sonne steht für das Feuer und der Mond für das Wasser. Für das Gleichgewicht und die Harmonie in der Welt ist der Respekt gegenüber Himmel, Wasser und Erde und allen ihren Bewohnern von allerwichtigster Bedeutung. Die Welt ist voll von Geistern und Seelen, die in allen Menschen, Tieren, Pflanzen und Dingen wohnen. Als Schamanen treten wir mit ihnen bewusst in Kontakt um das Gleichgewicht zu manifestieren oder falls nötig wieder herzustellen.  

 

bei Schamanen

 

Hier ist alles so friedlich. Um die Ovoos streicht Bayaraas Wolf, Krähen, Elstern und Raben zetern in den Bäumen, hoch am Himmel gleiten Adler und Milane lautlos dahin.

Das Ritualtipi aus Ästen ist mit hunderten von kleinen Vögeln belebt, die im Schwarm immer wieder auf- und niederfliegen. Pferde und Kühe grasen um das Camp herum im lichten Birkenwald. Im Herbst muss es hier besonders schön sein wenn sich all die Birken und Lärchen bunt verfärben.

Diese Stille ansonsten! Nur ein paar Mal am Tag tönt das Rattern von Güterzügen oder der Transsibirischen Eisenbahn durch das Tal und erinnert an die Zivilisation da draußen, und an das Ungleichgewicht.

Nach den Zeremonien lacht Bayaraa und tanzt ausgelassen in der engen Jurte. Seine Fröhlichkeit ist ansteckend.

In der Nacht üben wir bis vier Uhr früh Trancezustand und Geistreisen. Mongolische Schamanen haben ihre Schutz- und Helfergeister und ein Reittier, das ein wenig dem Krafttier anderer Schamanenkulturen entspricht. Nachdem der Schamane im Weltenbaum in neun Stufen hinaufgeklettert ist, das heißt sich in Trance getrommelt, gesungen und getanzt hat, reitet er auf seinem Krafttier an jenen Ort in den drei Universen, an dem er gebraucht wird. Die Laute und Bewegungen die der Schamane eventuell bei der Trancereise macht entsprechen seinem Reittier....



Ich danke meinem Lehrer Dr. Bayaraa Tsetsegmaa, Mongolian Researcher of spirit und shamanism, Doctor shaman (Mongolian shamanic Association) herzlich für die Möglichkeit bei ihm lernen zu dürfen, für die herzliche Aufnahme im Schamanencamp und all diese wunderbaren einzigartigen Erfahrungen, die ich hier machen durfte !!!

 

 

 

 

 

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