Spiritcalling

Bei Sonnenuntergang versammeln sich die Schamanen wieder an den Ovoos, wo das gekochte Opfer-Schaf aufgebahrt liegt. Vor Beginn eines Rituals werden Trommeln am Feuer erwärmt und somit zum Leben erweckt. Als sie da in ihren Kostümen um das Feuer stehen bitte ich um die Erlaubnis ein Foto machen zu dürfen. Sie mögen es nicht fotografiert zu werden, und im Schamanengewand oder während der Rituale ist das auch streng untersagt.

 

bei Schamanen

 

Der junge Schamane, dessen Dschanna begangen wird, wird an diesem Abend seinen Ahnengeist rufen.  

Vor einem der Ovoos steht ein kleines Tischchen, beladen mit Ritualgegenständen und Opfergaben. Die fünf Schamanen stellen sich davor, setzen ihre Trance-Federhauben auf und beginnen im schnellen Rhythmus zu trommeln. Nur das Lagerfeuer beleuchtet effektvoll flackernd die Szenerie. Ich knie relativ nahe in der Wiese.

Als der junge Schamane beginnt mit seinem Schamanenlied seinen Ahnengeist zu rufen verstummen die anderen Trommeln. Ein Schauer rinnt mir dabei den Rücken hinunter.  

Immer wilder wird sein Trommeln, Zuckungen durchlaufen seinen Körper. Er wirft sich, bäumt sich auf und trommelt derweil ekstatisch.  

Plötzlich fällt er in sich zusammen, Trommel und Schlegel entgleiten seinen Händen. Ein kurzer Moment der Stille, ich halte den Atem an. Dann richtet er sich wie von unsichtbarer Hand gezogen kerzengerade auf und beginnt mit völlig anderer Stimme zu sprechen und sich auch anders zu bewegen.

Er bekommt zu Essen und zu Trinken von den Dingen die auf dem Tischchen stehen.  

Bayaraas Frau kommt hinzu und kniet sich neben ihm nieder. Sie ist eine Tuschee, eine Mittlerin zwischen Ahnengeist und hilfesuchenden Menschen und hier die Einzige die mit dem Ahnengeist sprechen darf. Ich höre ihr Gemurmel und die teils lauten und manchmal belustigten Antworten des durch den Schamanen sprechenden Ahnengeistes.

Auch wenn mir wieder die Knie schmerzen kann ich kaum meinen Blick von den Beiden lösen. 

Nach zwei Stunden holt uns Bayaraa in sein Zelt. Nur ein paar Kerzen brennen und beleuchten das Innere der Jurte. Eine märchenhafte Stimmung. Nun können wir üben zu zwei Trommeln selbst in Trance zu fallen. Der archaische Klang der Trommeln weckt Urgefühle. Ich fühle mich Jahrhunderte zurückversetzt. Ich bin so dankbar hier sein zu dürfen. Um halb fünf in der Nacht beenden wir die Sitzung. Ich bin noch nicht an der Reihe gewesen...

 

Geier und Trance  

 

 

 

 

 

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