nach Terelj

4.     Tag

Ein paar Frauen stehen bereits da und warten auf den Bus. Verstohlen mustern wir uns gegenseitig. Vielleicht wohnen sie hier in Jurten und fahren täglich zur Arbeit, in die Stadt?

Auf der Fahrt bleibt der Busfahrer bei jedem stehen, der ihm am Straßenrand winkt, und nimmt ihn mit. Dazwischen gibt er, gefühlt, ständig Vollgas, hupt, drängelt und überholt. In der City Verkehrschaos, Menschentrauben an den Bushaltestellen. Es ist 10 Uhr, ich hab nicht viel Zeit hier, kaufe mir rasch den passenden Kocheraufsatz bei Seven Summits, trinke Kaffee im Cafe Bene und nutze dort den Zugang zum Internet. Nach einer Stunde geht der Bus auch schon wieder zurück.

Ein junger Mongole setzt sich neben mich und spricht mich an, zum Glück auf Englisch! Er ist Student in Wirtschaft und möchte sein Land weiterbringen, hofft, dass es sich sehr rasch zu einem modernen Staat entwickle.  Als Kind wollte er jedoch immer Arzt werden und frägt was ich von Psychologie halte. Als er aussteigen muss bedankt er sich sehr für das Gespräch.  

Der Bus wird voll. Jeder zweite Sitzplatz ist bereits doppelt besetzt und im Gang stehen die Menschen. Rasch setzt sich ein Mongole neben mich. Er kommt gleich zur Sache: Er arbeite als Guide im Nationalpark, ob ich ihn nicht brauchen könnte. Er spricht sehr gut Englisch, aber ich möchte meinen Trip gern alleine gehen.

nach Terelj

Wieder in meiner Jurte packe ich zusammen, will mich gerade umziehen und stehe halbbekleidet vor meinem Bett, da öffnet dieser ältere Mongole vom Vortag die Tür, tritt ein und schließt sie wieder hinter sich! Ich habe keine Angst, bin jedoch hoch alarmiert. Wir schauen uns an…ein stiller Schlagabtausch. Er senkt den Blick, nestelt am Ofen herum, rüttelt am Ofenrohr, dreht sich um und verlässt die Jurte wieder...  

Ich atme durch. In drei Stunden geht der Bus nach Terelj. Ich beschließe noch einmal Essen zu gehen. Dort werden mir nach kurzer Zeit eine Tasse Mongolischer Milchtee, Gemüsebratlinge und Salat gebracht…mein Frühstück!

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Ich setze mich noch ein letztes Mal vor meine Jurte und beobachte ein kleines Mädchen, das singend den Hügel hinunterschlendert. Ich lächle sie an, und sie kommt zu mir. Ich krame in meinem Rucksack und hole ein paar Disney-Abziehbildchen hervor, die ich extra für solche Gelegenheiten mitgenommen hatte. Sie strahlt und rennt weg. Nach 5 Minuten ist sie wieder da mit ihrer großen Schwester, die scheinbar auch welche haben möchte, gefolgt von deren Freundin und den Müttern. Wir grinsen uns an. Sie greifen nach meinen blonden Haaren und zwirbeln sie zwischen ihren Fingern, immer wieder und reden dabei auf mongolisch auf mich ein. Wir gestikulieren und lachen. Wir betrachten uns gegenseitig, unsere Kleidung, den Schmuck, die Schuhe…dann nicken wir einander zu, sie nehmen ihre Töchter bei der Hand und gehen wieder. Ich schulter meinen Rucksack und stelle mich an die Schotterpiste beim Turtlerock.

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Die Fahrt dauert noch eine halbe Stunde, dann bin ich in Terelj. Ich stehe am Ende der staubigen Schotterstraße, da wo der Bus umdreht um wieder in die ferne Stadt zurückzufahren, neben mir der Rucksack. Es gibt hier ein paar Bretterhütten, Jurten und ein heruntergekommenes Hotel aus der Sowjetzeit. Terelj liegt am Tereljiin Gol, einem Fluss, dem ich die nächsten Tage bis zu dessen Quelle nahe der Grenze nach Sibirien folgen möchte. Also suche ich erst einmal den Fluss. Ich wuchte den ach so schweren Rucksack auf meine Schultern und verliere dabei fast das Gleichgewicht. Ein paar Mongolen beobachten mich mitleidig. Ich umkreise den kleinen Ort und muss schon furchtbar schwitzen. Am Fluss keine Brücke in Sicht. Ich folge ihm flussabwärts und komme zu einem zusammengezimmerten Steg. Auf der anderen Seite sitzen drei Buddhistische Mönche, teils halbbekleidet, und baden ausgelassen im Fluss. Dahinter knorrige alte Bäume. Was für ein Bild!  

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Die nächste Brücke, über einen Seitenarm, besteht nur noch aus einem riesigen Baumstamm über den alle hinüber balancieren, Frauen mit Einkaufstüten beladen, Männer die die Kleinkinder hinübertragen, oder den Kinderwagen. Andere kommen geritten und treiben ihr Pferd durch den Fluss.  

Auf der anderen Flussseite geht es nun los. Langsam lasse ich die Zivilisation hinter mir.

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Es geht zügig voran, durch lichten Auenwald, hohe Weiden und Pappeln, fast wie in einem Park. Der Boden ist weich federnd und weißgesprenkelt von Fruchtkapseln der Bäume. Ich entdecke leichte Fahrspuren und folge ihnen.  

( Übrigens: Ich mache laufend Fotos mit dem Selbstauslöser ) 

Ich komme noch an einigen Jurtenansammlungen vorbei, ab und zu kreuzen galoppierende Mongolen mit ihren Pferden den Weg, dann wird es immer stiller. Die Spuren verlaufen sich.  

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Ich suche mir eine sonnige Stelle am Fluss um mich mal wieder zu waschen. Das Wasser ist ziemlich kalt. Die Berghänge im Westen sind bewaldet, die im Osten karger und nur mit Wiesen überzogen. Kaum Felsen.

Erfrischt wandere ich weiter. Eine Gruppe junger Pferde, wunderschöne Tiere, galoppieren hakenschlagend um mich herum. Nach etwa 8 Kilometern beschließe ich mein Zelt am Flussufer aufzuschlagen. Ich esse einen Müsliriegel und trinke etwas Wasser, eine Pferdeherde zieht vorbei.

Es wird dunkel, und ich falle sofort in Schlaf. In der Nacht sind immer wieder Geräusche wie Schritte zu hören. Aber sie sind zu gleichmäßig. Ich schaue aus dem Zelt in die Nacht…es dürften wohl so eine Art Grillen sein...

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5. Tag   Flußquerungen  

 

 

 

 

 

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