Magic Mountain

12.     Tag

Sonnenaufgang vor meinem Zelt, Suppe zum Frühstück. Ich steige zur Schotterpiste ab und warte auf den Bus. Ich fahre nur ein paar Kilometer mit. Ich habe eine Gruppe Yaks gesehen und wandere über die Grasebene auf sie zu. Sie sind sehr scheu und lassen mich nicht näher an sie heran. Schade. Ich mag diese zotteligen Tiere.  

 

Magic Mountain

 

Der Berg an dessen Hängen sie grasen gefällt mir und ich beschließe ihn zu besteigen. Es gibt hier keine Waldzone. Die Grassteppe zieht sich weit hinauf, bis zu den Granitfelsen, die sich bis zum Gipfel auftürmen.

 

Magic Mountain

 

Ich steige am Berghang entlang, weglos, stetig höher bis zu einem kleinen Sattel. Hier hat man einen tollen Ausblick in die Grassteppe hinaus. Den Hang entlang entdecke ich eine helle Linie langsam auf mich zukommen. Ich warte und sehe dass es eine Schaf- und Ziegenherde ist, in Formation! Mit lautem Gemäh und Gemecker ziehen sie, ihre Linie vor mir zerteilend und hinter mir wieder schließend, vorbei. Ich steige zum Kamm hoch und kann nun auch auf der anderen Seite weit, bis zu den Vororten von UlaanBaatar schauen. Unten im Tal treiben zwei Reiter eine Herde voran. Ich klettere auf einen der Felsen und genieße Sonne und Ausblick.

 

Magic Mountain

 

Während ich da sitze haben die Reiter unten ihre Richtung geändert und treiben nun die Herde in meine Richtung den Berghang hinauf. Der eine kommt zu mir hinaufgetrabbt und redet gleich auf Mongolisch auf mich ein. Leider verstehe ich nichts. Es sind Vater und Sohn. Lächeln, Gestikulieren, Erstaunen, dass ich allein unterwegs bin, dann ziehen wir weiter unserer Wege.

 

Magic Mountain

 

Ich gewinne an Höhe, vorbei an bizarren Felsformationen und Schuttrinnen. Da fällt mir ein Stein ins Auge. Pechschwarz…ein Kristall! Ich schau mich um, stöbere ein wenig im Geröll und kann noch weitere, kleinere Kristalle entdecken. Mich packt das Kristallfieber. Ich steige an der Bergflanke im Geröll umher auf der Suche nach weiteren und immer schöneren Steinen. Bald sind meine Taschen voll und in jeder Hand ein größeres Stück.  

 

Magic Mountain

 

Am Gipfel mach ich Pause und beobachte einen Milan, der bei seinen Beuteanflügen wahrlich Purzelbäume in der Luft schlägt. Sehr beeindruckend! Indem ich auf der anderen Bergseite wieder absteige habe ich den ganzen Berg fast umrundet. Dabei komme ich an einem über und über mit bunten Gebetsfahnen geschmückten Baum vorbei, ein besonderer Platz an einem besonderen Berg.

 

Magic Mountain

 

Unten im Tal sind einige Jurtensiedlungen und ein Hinweisschild auf ein Restaurant. Prima! Es ist später Nachmittag und ich habe Hunger. Ich folge dem Weg und gelange zu einem gemauerten Haus, hier eine Seltenheit. Ich bin der einzige Gast.  

Der Hausherr kann ein wenig Englisch, aber es ist sonst niemand in der Küche und so erhalte ich nur ein wenig Krautsalat, eine Dose Bier und….einen Espresso! Er zeigt auf die beiden Kristalle, die ich in den Händen hatte und frägt ob ich auf dem Magic Mountain war. Ja, das wird es wohl sein, denn der Berg war wirklich magic.

 

Magic Mountain
Klosterbezirk mit Magic Mountain im Hintergrund

 

Ich ziehe weiter. Das Tal läuft auf ein anderes zu, knickt dann nach Osten ab. Wenn ich aber weiter nach Norden talaufwärts ginge müsste ich über einen Pass ins Tal der Schildkröte und über dieses zu meinem Zelt zurück gelangen. Eine schöne Runde! Nur muss ich dazu nun ein paar Gatter übersteigen. Keine Menschen und zum Glück keine Hütehunde. Das Talende schließlich versperrt eine Zaunanlage von Felswand zu Felswand. Doch ich entdecke eine Lücke.

 

Magic Mountain

 

Das Gelände gehört zu einem weiteren Klosterbezirk. Aber keine Menschenseele weit und breit. Oben am Pass schaue ich dann wirklich ins Tal der Schildkröte. Die Sonne steht schon tief, eine wundervolle Stimmung. Hier oben stehen eine Art Ritualhütte aus Ästen in Tipiform,  mehrere Ovoos und ein großer Pfahl, bis oben hin bebändert und mit einem Helm und Haaren an der Spitze, wie Dschinggis Khans weißes Banner. Es sind schamanische Kraft- und Ritualplätze.

 

Magic Mountain

 

Der Abstieg wird von mit Bändern geschmückten Bäumen flankiert. Unten komme ich bei der Hotel-Baustelle heraus. An einem Mäuerchen gegenüber sitzt eine mongolische Familie und sieht den Lastern und Bauarbeitern zu. Wir gestikulieren und scherzen.  

 

Magic Mountain

 

Bis Sonnenuntergang schaffe ich noch den Weg zum Zelt und koche mir eine Tüte Suppe, während mich dabei ein paar Pferde schnaubend beobachten.

 

Magic Mountain

 

13. Tag   Ogoo-Tal   

 

 

 

 

 

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