auf den Asralt Khairkhan

7.     Tag

In der Nacht habe ich trotz Daunenschlafsack gefroren. Die Kälte treibt mich auf: halb sechs! Draußen ist es wolkenverhangen. Ich packe ein paar Müsliriegel, Fotoapparat und GPS-Gerät in meine kleine Umhängetasche und befestige daran noch den Wassersack. Die nassen Bergschuhe binde ich an jeweils einen Wanderstock und ziehe die feuchten Sandalen an.

 

Asralt Khairkhan

 

Ich friere, will mich bewegen und starte ohne Frühstück. Keine 100 Meter weiter ein ekliges Altwasserloch, umgeben von Gestrüpp. Ich suche nach einem Weg für mich außen herum und gelange an eine moorastige Wiese. Vorsichtig balanciere ich über die Grasschollen und stehe doch bald knöcheltief im Sumpf. An der Hangkante geht es mühsam weiter über Geröllbrocken bis ich wieder Wegspuren entdecke. Ich folge ein paar Kilometer bis ich an den Fluss komme. Seitlich führt ein Steig scheinbar am Steilufer entlang weiter. Es ist ein netter schmaler Steig der jedoch bei einem großen Ovoo endet. Eine große Steinplatte liegt daneben in der ein paar Namen eingeritzt sind. Mit meinem Taschenmesser ritze ich meinen dazu. Ich meine in der Ferne den Gipfel des Asralt ausmachen zu können.

 

Asralt Khairkhan

 

Ich schlage mich mal wieder durch mannshohes Buschwerk. Ohne Rucksack fällt es zwar erheblich leichter, jedoch hat der Boden immer wieder tiefe Löcher in die ich einbreche. Endlich entdecke ich wieder Pfadspuren und es geht zügig dahin. Vom Zelt sind es gute 20 Kilometer bis zum Berg. Soweit es geht, versuche ich schnell zu gehen. Nach zwei Stunden komme ich wieder an den Fluss, der nun zum Gebirgsbach geworden ist. Er mäandriert hier so weitläufig dass ich teils in seinem Bett, im Wasser vorwärts gehen muss. Innerlich bete ich um Sonne.  

Mir ist so kalt!  

 

Asralt Khairkhan

 

Wie ein Wunder erscheint plötzlich ein Fitzelchen blau am grauen Himmel. Nach etlichen Querungen führt mein Weg trocken weiter und die Wolken werden lichter. Ich gelange sogar an Fahrspuren, von  Ochsenkarren, wahrscheinlich. Sie führen scheinbar weiter zu einem Pass.

Ich aber bin am Fuße des Asralt Khairkhan angelangt. Nach einer kurzen Rast ziehe ich die Wanderschuhe an, sie sind fast trocken geworden. Ich suche nach Wegspuren und, da ich keine finden kann, selbst einen Weg bergauf. Riesige Schottermuren ziehen den Berg hinunter. Dazwischen Zonen mit knorrigen Bäumen und Moosflächen. Weiter oben liegen mir unzählige umgestürzte Baumriesen wie ein Hindernisparcours im Weg. Ich versuche meinen Weg möglichst intelligent und kraftsparend zu wählen. Über der Baumgrenze gibt es nur noch Halden großer Gesteinsbrocken. Ich muss konzentriert steigen um nicht umzuknicken oder einen Trittstein zu lösen. Wenn ich mich hier verletzen sollte findet mich wenn überhaupt, so schnell keiner.

 

Asralt Khairkhan

 

Es bläst ein kräftiger Wind, der die Wolken fortschiebt. Es ist wunderbar sonnig!

Mittags bin ich oben. Ich lasse einen Brüller los, die Anspannung raus, schreie und breche haltlos in Tränen aus. Geschafft, geschafft, geschafft! Und ganz allein!

Bis hierher habe ich kaum nachgedacht, habe einfach funktioniert. Nun brechen die Gedanken über mich herein. Während ich da oben sitze und rundherum unter mir die runden Berge des Khentee betrachte, vielleicht bis hinüber nach Sibirien schaue, mit dem Bewusstsein dass in allen Richtungen erst einmal niemand anderer ist…fange ich immer wieder zu Schluchzen an. Weil das so Großartig ist! Und weil ich eigentlich nicht damit gerechnet hatte, wirklich bis hier oben zu kommen. Ich bin überglücklich.

An einem der kleinen Steinhaufen binde ich meine mitgebrachte hellblaue Schleife an einen größeren Stein und tausche einen der Gipfel-Steine gegen einen, den ich extra von der Ramboldplatte, meinem Lieblings-Voralpenberg, mitgebracht habe, aus.

 

Asralt Khairkhan

 

Der Wind bläst heftig. Langsam kriecht die Kälte wieder in mir hoch. Nur schwer kann ich mich überwinden wieder aufzubrechen. Es ist so wunderwunderschön! Und was für ein Abenteuer! Mein Abenteuer!

Langsam steige ich wieder ab. Zum Glück habe ich das GPS. Ich hätte sonst nicht den richtigen Talfuß gefunden. Es sieht hier alles so ähnlich aus. Ich habe immer wieder schluchzen müssen…das war es jetzt. Wer weiß ob ich so etwas je wieder machen werde!?

Unten komme ich wieder auf den Fahrweg. Ich stutze. Da sind Spuren, große Spuren, die zuvor nicht da waren. Ein Bär. Ich schaue mich um. Es ist still, nichts regt sich. Hm, ich hab auch keine Angst. Also gehe ich einfach weiter, zurück.

 

Asralt Khairkhan

 

Es geht viel leichter. Erstens ist es sonnig und warm, zweitens merke ich was ich alles, allmählich, aber doch, bergauf gegangen bin. Immer wieder drehe ich mich um und blicke versonnen auf den Gipfel des Asralt, meinem „Everest“, der nun in der Sonne strahlt. Ich bin so dankbar, dass mir das glücken durfte und ich dabei unverletzt und gesund bin. Gegen 18 Uhr erreiche ich froh mein Zelt, das mir schon von weitem grün entgegen strahlt. Ich hole Wasser, koche mir Nudeln und bleib dann einfach nur liegen. Nun kann ich loslassen…

 

Asralt Khairkhan

 

Asralt Khairkhan

 

Asralt Khairkhan

 

 8. Tag   Begegnungen  

 

 

 

 

 

 

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